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Energiewirtschaft senkt CO2-Emissionen durch mehr Gaseinsatz

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Freiburg - Fossile Kraftwerke in Deutschland haben im Juni 2019 etwa ein Drittel weniger Kohlendioxid ausgestoßen hat als im Vorjahr. Verwantwortlich dafür ist ein Bündel an Faktoren, das zu einem "Fuel Switch" geführt hat.

Höhere CO2-Zertifikatspreise gekoppelt mit niedrigen Day-Ahead Börsenstrompreisen und niedrigen Gaspreisen können sehr schnell dafür sorgen, dass die Stromerzeugung aus Braunkohle unwirtschaftlich wird. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Strom aus anderen Energiequellen. Dass damit auch positive Auswirkungen auf die CO2-Emissionen einhergehen, hat sich in Deutschland im Juni 2019 gezeigt.

CO2-Emissionen fossiler Kraftwerke sinken im Juni in Deutschland um 33 Prozent
Im Juni 2019 emittierten die deutschen fossilen Kraftwerke nach Berechnungen von Fraunhofer ISE mit 11,5 Millionen Tonnen (Mio. t) rd. 33 Prozent weniger Kohlendioxid als im Juni 2018 (17,3 Mio. t). Grund für diesen Rückgang ist eine deutlich geringere Menge an Kohlestrom im Juni 2019 bzw. deutlich höhere Menge an Strom aus Gas, Wind und Sonne. Im Juni 2019 sank die Nettostromerzeugung aus Braunkohle um 38 Prozent von 11,3 Terawattstunde (TWh) im Juni 2018 auf 7 TWh. Die Erzeugung aus Steinkohle ist um 41 Prozent von 4,4 TWh (Juni 2018) auf 2,6 TWh (Juni 2019) zurückgegangen. Gaskraftwerke konnten ihre Produktion um 62 Prozent von 2,3 TWh im Juni 2018 auf 3,7 TWh im Juni 2019 steigern. Aufgrund der Wetterverhältnisse stieg auch die Stromerzeugung aus Windenergieanlagen um 14 Prozent und aus Solarstromanlagen um 21 Prozent.

Marktbedingte Ereignisse Grund für Fuel Switch von Braun- und Steinkohle
Ursachen für den starken Rückgang der Kohleverstromung sind die gestiegenen Kosten für CO2-Zertifikate, die niedrigen Börsenstrompreise und Gaspreise sowie ein geringerer Stromverbrauch. In Kombination haben diese Faktoren gestützt durch die Wind- und Solarstrom zu dem marktbedingten „Fuel Switch“ (Brennstoffwechsel) von Kohle zu Gas geführt, da die Stromerzeugung aus Kohle unter den gegebenen Rahmenbedingungen unwirtschaftlich war.

Nach der Auswertung von Fraunhofer ISE ergibt sich am Beispiel der Braunkohleverstromung folgender Zusammenhang: Der Preis für CO2-Zertifikate lag im Juni 2019 im Durchschnitt mit ca. 25 Euro/t CO2 um etwa 65 Prozent über dem Vorjahreswert (Juni 2018: ca. 15 Euro/t CO2). Bei spezifischen Emissionen von Braunkohlekraftwerken von 1 bis 1,2 t CO2 pro Megawattstunde (MWh) resultieren CO2-Zertifikatskosten von ca. 25 bis 30 Euro / MWh elektrischer Nettostromerzeugung aus Braunkohle. Unter Berücksichtigung der Betriebs- und Brennstoffkosten von 5 bis 10 Euro/MWh resultieren für die Braunkohle Erzeugungskosten von ca. 30 bis 40 Euro/MWh. Damit lagen Braunkohlekraftwerke oft über dem durchschnittlichen Day-Ahead Börsenstrompreis von 31,84 Euro/MWh im Juni. Sie waren somit im Durchschnitt unrentabel oder ließen sich nur in Stunden mit höheren Day-Ahead Preisen rentabel betreiben.

Im Vergleich dazu haben Gaskraftwerke deutlich geringere CO2-Emissionen von ca. 0,35 bis 0,4 t CO2/MWh. Die Zertifikatskosten liegen hier bei ca. 9 bis 10 Euro/MWh. Da der Gaspreis von Juni 2018 von durchschnittlich rd. 51,6 Euro/MWh auf rd. 7 Euro/MWh im Juni 2019 gefallen ist, resultieren bei einem Wirkungsgrad von 40 Prozent bis 50 Prozent Brennstoffkosten von ca. 14 bis 18 Euro/MWh. Mit den Zertifikatspreisen ergeben sich in Summe Basiskosten von 24 bis 28 Euro/MWh. D.h. die Summe aus Brennstoff- und Zertifikatskosten bei Gaskraftwerken liegt deutlich unter den reinen CO2-Zertifikatskosten der Braunkohlekraftwerke.


© IWR, 2019


18.07.2019

 



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