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Französisches Atomkraftwerk Flamanville wird zum Kostendesaster

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Paris – In Frankreich sind derzeit noch 58 Atomkraftwerke zur Stromerzeugung in Betrieb, die teilweise auch schon über 40 Jahre alt sind. Der einzige Bau eines Ersatz-Atomkraftwerks in Frankreich entwickelt sich allerdings immer mehr zum Kostendesaster und zur Belastung für den französischen Steuerzahler.

Bereits im Jahr 2004 hat der staatlich kontrollierte französische Energieversorger EDF den Bau eines Atomkraftwerks der dritten Generation des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) bekannt gegeben. Seit dem Baubeginn im Jahr 2007 kommt es immer wieder zu zeitlichen Verzögerungen und zu steigenden Kosten. Neuer Termin für die Fertigstellung ist das Jahr 2022, das ist eine Verzögerung um 10 Jahre gegenüber der ursprünglichen Planung. Auch die Kosten explodieren.

Atompolitik in Frankreich: AKW-Neubau Flamanville wird zum Zeit- und Kostendesaster
Den Auftrag zum Bau des Atomkraftwerks Flamanville mit einer Leistung von 1650 MW erhielt der ebenfalls mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche, damalige Areva-Konzern. Die Baukosten sollten 3,3 Milliarden Euro betragen, die Fertigstellung war für das Jahr 2012 geplant. Seither sind der Zeit- und Kostenplan immer wieder revidiert worden. Am Mittwoch (09.10.2019) hat EDF mitgeteilt, dass die Fertigstellung des Atomkraftwerks Flamanville sich weiter verzögert und für Ende 2022 geplant ist. Grund sind fehlerhafte Schweißnähte in einem schwer zugänglichen Bereich des Sicherheitsbehälters. Bevorzugtes Szenario ist zunächst der Einsatz ferngesteuerter Roboter. Sollte das nicht funktionieren, ist als Backup-Lösung die Entnahme des Sicherheitsbehälters und Nachrüstung in den Nebengebäuden vorgesehen. Die geplanten Mehrkosten für die Reparatur belaufen sich auf derzeit 1,5 Milliarden Euro, wie EDF mitteilt. Dadurch steigen die Baukosten auf insgesamt 12,4 Milliarden Euro. Verbucht werden die Mehrkosten allerdings hauptsächlich in den Sonstigen Aufwendungen, sodass sich die Gesamtnettoinvestition nur auf 15,5 Milliarden Euro erhöht (vorher: 15 Milliarden Euro), so EDF.

Areva in der Krise: Verzögerungen und Kostenexplosion auch in Finnland
Die zeitlichen Verzögerungen und steigenden Kosten beim Bau des französischen Atomkraftwerks Flamanville und des baugleichen Typs auf der finnischen Halbinsel Olkiluoto stürzten den AKW-Kraftwerksbauer Areva in eine tiefe Krise. Das Atomkraftwerk in Finnland wurde zum Festpreis von ursprünglich drei Milliarden Euro angeboten, die Kosten explodierten auch hier wie im französischen Flamanville und belaufen sich mittlerweile auf mehr als neun Milliarden Euro. Der französische Staat musste mit Milliarden-Hilfen einspringen und restrukturierte die französische Atomindustrie mit Steuermitteln neu. In diesem Zuge wurde Areva aufgeteilt. Auch das neuesten AKW-Projekt, der Bau des britischen Atomkraftwerks Hinkley Point C gerät schon nach Ende des ersten Meilensteins unter Kostendruck. Mehrkosten von rd. 3 Milliarden Euro werden schon jetzt erwartet, wie EDF im September 2019 mitteilte.

Atomkraftwerkspark in Frankreich wird immer älter – Sicherheitsrisiken nehmen zu
Atomkraftwerke sind auf eine Betriebszeit ohne Sicherheitsabstriche von 40 Jahren ausgelegt. Insgesamt 43 der 58 französischen Atomkraftwerke sind in der Zeit zwischen 1980 und 1990 ans Netz gegangen und erreichen bis spätestens 2030 diese Altersgrenze. Zu den ältesten in Betrieb befindlichen französischen Atomkraftwerken zählen die Blöcke Fessenheim 1 und 2 (Start: 1977) sowie die vier Atomkraftwerke Bugey 2 bis 5, die zwischen 1978 und 1979 die Stromerzeugung aufgenommen haben. Bis auf den Bau des AKW Flamanville wurde kein weiteres AKW-Neubauprojekt in Frankreich gestartet, um den alternden Kraftwerkspark zu ersetzen. Unklar bleibt daher, wie die sich abzeichnende Stromlücke in Frankreich geschlossen werden soll.

© IWR, 2019


11.10.2019

 



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