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RWE will Atomkraftwerke nicht weiter betreiben – Erneuerbare Energien wirtschaftlich attraktiver

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Münster – Angesichts hoher Strom- und Gaspreise wird die mediale Forderung nach einem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke immer lauter. Doch die Stromversorger winken ab, haben längst andere Pläne und ihr Geschäftsmodell umgestellt.

Trotz der rasant gestiegenen Energiepreise hat der Energieversorger RWE in einem Interview mit der Börsenzeitung ein Revival der Atomenergie eindeutig ausgeschlossen. Und auch in Ländern mit Atomkraftwerken wie Frankreich schützen die Kernkraftwerke nicht vor den aktuell hohen Strompreisen, ganz im Gegenteil.

RWE setzt nicht mehr auf Kernkraftwerke – Wachstum mit Erneuerbaren Energien
Die Transformation der Energiewirtschaft auf dem Stromsektor in Richtung regenerative Energien wird immer deutlicher erkennbar und realer. Noch vor wenigen Jahren wäre der nachfolgende Satz von RWE-CFO Michael Müller in einem Interview mit der Börsenzeitung (16.10.2021) völlig undenkbar gewesen: „Es ist wirtschaftlich attraktiver in Erneuerbare Energien zu investieren als in Kernkraft.“ In den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) seit 2018 liegen die EEG-Vergütungssätze für den Windenergie-Strom bei rd. 6 ct/kWh, für Solarstrom bei rd. 5 ct/kWh.

RWE steckt derzeit mitten im Umbau von einem fossil-atomaren Stromversorger zu einem Ökostromanbieter. Da passen Atomkraftwerke nicht mehr ins Portfolio. In Deutschland sind derzeit noch sechs Atomkraftwerke in Betrieb, Ende 2021 werden die drei AKW Grohnde (1.430 MW), Gundremmingen C (1.344 MW) und Brokdorf (1.480 MW) mit zusammen rd. 4.300 MW endgültig vom Netz genommen.

Börsen-Strompreise in Frankreich trotz Atomkraftwerke deutlich höher als in Deutschland
Frankreich hat eine Atomkraftflotte mit einer Gesamtleistung von rd. 62.000 MW, davon sind derzeit Kernkraftwerke mit einer Leistung von rd. 40.000 MW am Netz. Dass eine große Zahl an Atomkraftwerken nicht vor hohen Strompreisen schützt, zeigen die aktuellen Börsenstrompreise in den europäischen Ländern. Gestern musste an der Strombörse auf Tagesbasis am Spotmarkt im Mittel für die heutige Lieferung (22.10.2021) in Frankreich für Strom knapp 21 ct/kWh gezahlt werden, in Belgien 16,1 ct, in den Niederlanden 15,1 ct, in der Schweiz 22,7 ct und in Deutschland lediglich 7,2 ct je kWh. Damit war der Börsenstrom in Frankreich im Vergleich zu Deutschland fast dreimal so teuer.

„Vor allem die aktuell hohe Windstrom-Produktion hat auf die Strompreise gedrückt und dazu geführt, dass die deutschen Börsenstrompreise im Vergleich zu Frankreich um mehr als 50 Prozent niedriger ausgefallen sind“, so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster.

Bau von Atomkraftwerken nur noch von Staatsunternehmen
Beim Bau von neuen Atomkraftwerken treten angesichts von Milliarden-Investitionen erhebliche Finanzierungsrisiken auf. Neben der Höhe der Baukosten und der langen Projektdauer von über 10 Jahren sind auch die Marktrisiken enorm, da die Strompreise über den langjährigen Planungs- und Betriebszeitraum kaum oder gar nicht kalkulierbar sind. Allnoch: „Meist bleiben die Baukosten- und Marktrisiken am Ende beim Steuerzahler hängen, deshalb werden neue Atomkraftwerke in Zukunft – wenn überhaupt – weitgehend nur noch von Staatsunternehmen gebaut und betrieben.“

© IWR, 2021


22.10.2021

 



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