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Offshore Windenergie-Markt in Deutschland 2020 bricht ein - kein Zubau im zweiten Halbjahr

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Berlin - Der deutsche Offshore-Windenergiemarkt liegt in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf Eis. Verglichen mit dem Vorjahr ist die Leistung der neu in Betrieb genommenen Windenergieanlagen auf See 2020 um etwa 80 Prozent zurückgegangen. Die schwachen Zahlen kommen nicht überraschend, die Forderungen richten sich darauf, dass die zeitliche Ausbaulücke möglichst klein wird.

Vertreter der nationalen Offshore-Windenergiebranche haben sich angesichts der schwachen Entwicklung des deutschen Marktes im Jahr 2020 zu der weiteren Entwicklung und den Perspektiven der Branche geäußert. Sie fordern von der Politik dringend zusätzliche Impulse für die Offshore-Wind-Wertschöpfungskette.

Offshore Windenergie 2020: Nur wenige neue Anlagen gehen in Betrieb
Auf dem deutsche Offshore-Windenergiemarkt ist es 2020 zu dem erwarteten drastischen Einbruch gekommen. Im Gesamtjahr sind lediglich in zwei Offshore-Windparks mit insgesamt 32 Windenergieanlagen (WEA) und einer Leistung von 219 Megawatt (MW) neu in Betrieb gegangen. Das sind rd. 80 Prozent weniger neue Offshore-Leistung als im Vorjahr (2019: 1.135 MW). Zusammen mit den 2020 neu in Betrieb genommenen Anlagen speisen in der deutschen Nord- und Ostsee Ende 2020 nunmehr rd. 1.500 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 7.770 MW Strom in die Netze ein.

Von den 32 neuen und im ersten Halbjahr 2020 in Betrieb genommennen Offshore-Turbinen entfallen 16 Turbinen auf den Hersteller Senvion mit insgesamt 101,3 MW, die im Offshore-Windpark Borkum II errichtet wurden. Die übrigen 16 Turbinen mit einer Leistung von 117,6 MW stehen im Offshore-Windpark EnBW Albatros. Seitdem liegt der weitere Offshore-Ausbau in Deutschland bis auf Weiteres brach.

Forderungen: Kurzfristmaßnahmen - Bauaktivitäten ermöglichen, Zubau entzerren und Wertschöpfungskette stärken
Um die gravierenden Folgen des fehlenden Ausbaus der Windenergie in Nord- und Ostsee wie Unternehmensschließungen, Beschäftigungsverluste und Abwanderungen aus dem deutschen Markt schnellstmöglich zu überwinden und die Wertschöpfungskette zu sichern, setzen die Branchenorganisationen BWE, BWO, VDMA Power Systems, WAB und die Stiftung Offshore Windenergie auf einen kurzfristig ausgelösten Investitionsschub. Dafür sei es erforderlich, die durch die Branche vorgeschlagene Küstenmeerregelung schnell umzusetzen und die „Ausbauspitze“ in den Jahren 2029 und 2030 nach vorne zu entzerren. Notwendig sei ein kurzfristiger Impuls für den kosteneffizienten Zubau.

Dafür fordern Sie, die vorhandenen Potenziale schnellstmöglich zusätzlich auszuschreiben und mit raschen Inbetriebnahmen zu verbinden. Mehr Zubau sollte vor dem Ende der Dekade stattfinden. „Jetzt Investitionen vorzuziehen hilft Konjunktur und Klimaschutz gleichermaßen. Offshore-Windkraft ist als Fundament der Energiewende für deutsche und europäische Klimaziele essenziell“, so die Vertreter der Branchenorganisationen.

Offshore Windindustrie definiert weitere Politik-Handlungsfelder
Neben der zeitnahen Erschließung der Potenziale formulieren die Branchenvertreter weitere Handlungsfelder, so beispielsweise die räumliche Absicherung der Offshore-Ausbauziele. Dazu sollten sich abzeichnende Nutzungskonflikte mit Schifffahrt, Marine und Naturschutz pragmatisch gelöst werden, damit die Umsetzung der definierten Ziele nicht durch die Hintertür verhindert wird. Verwiesen wird auf den von der EU-Kommission bereits entwickelten Ko-Nutzungsansatz, durch den Nutzungskonflikte ein Stück weit entschärft werden sollen. Der knappe Meeresraum soll demnach – wenn möglich – von mehreren Akteuren gleichzeitig genutzt werden. Diese Idee solle weiterentwickelt werden und auch in Deutschland vermehrt zur Anwendung kommen.

Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Weiterentwicklung des Marktrahmens für die Offshore-Windenergie und „grünen“ Wasserstoff. Zudem müsse die nächste Legislaturperiode genutzt werden, eine grundlegende Reform des Strommarktdesigns und der Refinanzierung von Offshore-Windprojekten auf den Weg zu bringen. Das aktuelle Marktdesign sei für die Finanzierung von - konventionellen - Erzeugungsanlagen mit Brennstoffkosten ausgelegt. Begrüßt wurde die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung und den damit verbundenen Ansatz, eine umfassende energiewirtschaftliche und industriepolitische Strategie zu entwickeln, welche die gesamte Wertschöpfungskette aus Technologien, Komponenten, Erzeugung, Speicherung, Infrastruktur und Logistik in den Blick nimmt.

Mengenziel für grünen Wasserstoff - EU-Strategie in nationale Ziele umwandeln
„Grüner“ Wasserstoff braucht nach Ansicht der Offshore Windbranche eine marktwirtschaftliche Grundlage. Für eine bessere Planbarkeit von Wasserstoffprojekten wird neben den bereits ergriffenen Maßnahmen ein konkretes und verbindliches Mengenziel zur Erzeugung von „grünem“ Wasserstoff aus Offshore-Windenergie sowie verlässliche Vergabemechanismen gefordert. Außerdem müsse die positive Marktdynamik durch die EU-Strategie genutzt werden. Die EU will die Offshore-Windenergie bis 2050 auf 300 GW ausbauen. Dies zeige das große Exportpotenzial. Die Ankündigung, das EU-Klimaziel für 2030 nachzubessern, müsse mit einem schnelleren Ausbau der Offshore-Windenergie unterlegt werden. Um die Ausbauziele dauerhaft abzusichern und eine europäische Planung zu ermöglichen, benötigt auch Deutschland ein Ausbauziel der Offshore Windenergie für das Jahr 2050.

© IWR, 2021


21.01.2021

 



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