Vertrauensverlust bei Stromspeichern: Speicherverband BVES kritisiert BNetzA und warnt - Hochlauf wird Stecker gezogen
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Berlin - Der Bundesverband Energiespeicher Systeme e. V. (BVES) warnt vor einer akuten Krise in der Speicherbranche. Aktuelle Äußerungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) untergraben nach Ansicht des Verbands den gesetzlich verankerten Vertrauensschutz und könnten dem Hochlauf den Stecker ziehen und so den Aufbau dringend benötigter Flexibilitätskapazitäten in Deutschland massiv verzögern.
Der BVES fordert von der Bundesnetzagentur eine sofortige Klarstellung, um den Vertrauensschutz für Netzentgeltbefreiungen nach § 118 EnWG zu sichern. Ohne rechtliche Sicherheit werden Investitionsentscheidungen ausgesetzt, Projekte gestoppt und Milliardeninvestitionen gefährdet, warnt der Speicherverband. Über 150 Unternehmen haben laut BVES bereits öffentlich akute Vorsicht bei Speicherprojekten signalisiert.
Vertrauensschutz in Gefahr: Investitionen stocken
Der BVES reagiert alarmiert auf jüngste Äußerungen der Bundesnetzagentur (BNetzA), die den gesetzlich festgeschriebenen Vertrauensschutz für Energiespeicher (§ 118 Abs. 6 EnWG) infrage stellen. „Vertrauen zerstören geht schnell, der Aufbau dagegen dauert sehr lange“, warnte Thomas Speidel, Präsident des BVES. Er betonte, dass die Branche den AgNes-Reformprozess grundsätzlich begrüßt, aber die aktuelle Unsicherheit die Realisierung konkreter Projekte gefährdet.
Bereits in der vergangenen Woche informierte der Verband den Beirat der BNetzA sowie Bundestagsabgeordnete über die kritische Lage und forderte eine Klarstellung, dass die Fristen aus § 118 EnWG weiterhin gelten. Der Hintergrund: Unternehmen, Banken und institutionelle Investoren planen ihre Projekte seit Jahren auf Grundlage der bestehenden Netzentgeltbefreiung. Der Deutsche Bundestag hatte diese Netzentgeltbefreiung 2023 ausdrücklich verlängert und damit das Vertrauen in Speicherinvestitionen erneut gestärkt.
Die Folgen des aktuellen Vertrauensverlusts sind schon spürbar. Bereits jetzt würden Kapitalzusagen zurückgestellt, Investitionsentscheidungen ausgesetzt und kurz vor der Realisierung befindliche Projekte gestoppt und neu bewertet. Diese Projekte würden dabei auch nicht nur um wenige Monate verschoben, sondern komplett beendet, warnt der BVES. Sie gingen damit dem notwendigen Aufbau von Flexibilität in Deutschland verloren. Deutschland droht nach Einschätzung des BVES, die Chance zu verspielen, marktbasiert und privatwirtschaftlich den dringend benötigten Ausbau der Flexibilitätsinfrastruktur zu realisieren. Im konkreten Projektgeschäft sehen sich Entwickler derzeit mit unlösbaren Entscheidungen konfrontiert, etwa Baukostenzuschüsse in erheblicher Größenordnung zu leisten, obwohl keine Klarheit darüber besteht, ob das Projekt weitergeführt werden kann. Die Netzentgeltbefreiung galt über Jahrzehnte als hohes Gut und Grundlage für Milliardeninvestitionen - diese historische Belastbarkeit steht nun auf dem Spiel.
Flexibilitätsbedarf steigt: Systemrisiken und Kostengefahr
Die Dringlichkeit der Maßnahmen wird durch den steigenden Flexibilitätsbedarf im Stromsystem unterstrichen. Der aktuelle Netzentwicklungsplan prognostiziert bis 2037 einen Bedarf an Stromspeichern von bis zu 94 GW. Mit den laufenden Projekten liegt Deutschland grundsätzlich im Plan. Die Netzbetreiber haben die Netzanschlusszusagen für diese Projekte erteilt.
Der BVES warnt jedoch, dass der Entzug des Vertrauensschutzes diesen Hochlauf abrupt hemmt. Neben dem finanziellen Schaden in Milliardenhöhe droht eine konkrete und wachsende Flexibilitätslücke mit Risiken für Systemstabilität, Versorgungssicherheit und Stromkosten, warnt der Verband. Eine schnelle, unmissverständliche Klarstellung der BNetzA sei daher dringend erforderlich, um die gesetzlich vorgesehene Netzentgeltbefreiung zu sichern.
Der Verband kündigt an, das Thema weiterhin intensiv gegenüber Politik, Regulierungsbehörde und Öffentlichkeit zu verfolgen. Die Kernbotschaft: Nur mit belastbaren, verlässlichen Rahmenbedingungen können Investitionen in den Energiespeicherbereich langfristig gesichert werden - ein entscheidender Faktor für die Energiewende und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
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16.03.2026