Heizkosten im Vergleich: Wärmepumpe und Fernwärme schlagen Gasheizung mit Bio-Treppe
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Mannheim/Freiburg – Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) macht die Wahl der Heiztechnologie zur wirtschaftlichen Weichenstellung. Eine Kurzstudie des Fraunhofer ISE im Auftrag der MVV Energie AG zeigt: Wärmepumpen und Fernwärme sind über den Lebenszyklus hinweg in der Regel günstiger als Gasheizungen mit Bio-Treppe.
Die Analyse vergleicht die Gesamtkosten für Heizung und Warmwasser über 20 Jahre in einem beispielhaften Ein- und Mehrfamilienhaus. In allen betrachteten Szenarien liegen die Gesamtkosten einer Gasheizung mit Biogasanteilen durchweg über denen einer Wärmepumpe oder eines Fernwärmeanschlusses. Im günstigsten Fall liegt der Gaskessel im Einfamilienhaus rund 60 Prozent teurer als die Wärmepumpe und 23 Prozent teurer als Fernwärme – das entspricht Mehrkosten von bis zu 49.000 Euro über 20 Jahre ab 2026.
Bio-Treppe: Unsichere Gaspreise als zentrales Kostenrisiko
Das GModG sieht in § 43 eine stufenweise Pflicht zur Beimischung grüner Gase für Gasheizungen vor. Die Bio-Treppe startet dabei erst ab 2029; höhere Beimischungsanteile werden erst ab 2040 verpflichtend. Wer heute investiert, profitiert damit zunächst noch von niedrigen Biogasanteilen. Da die Lebensdauer neu installierter Gaskessel in der Regel über 2045 hinausgeht, fallen jedoch große Teile der Betriebszeit in eine Phase, in der hohe Anteile teurer grüner Gase vorgeschrieben sind. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet; der Bundestag muss zustimmen.
Ein wesentlicher Treiber der Mehrkosten sind die langfristig unsicheren Preise für Biomethan und andere grüne Gase. Bis 2035 kann der Bedarf laut Studie noch durch heimische Biomethanproduktion gedeckt werden. Danach ist das nur noch in Szenarien mit stark sinkendem Gasverbrauch möglich – andernfalls werden Importe nötig, was die Preise zusätzlich unter Druck setzt. Hinzu kommt ein struktureller Effekt im Gasnetz: Steigt die Nachfrage nach grünen Gasen nicht an, weil viele Haushalte auf Wärmepumpen oder Fernwärme umsteigen, bleiben die Beschaffungspreise zwar niedrig – die Netzentgelte steigen aber deutlich, weil das Netz von weniger Kunden finanziert werden muss. Umgekehrt hätte eine wachsende Nachfrage steigende Großhandelspreise bei stabilen Netzentgelten zur Folge.
Robert Meyer, Projektleiter am Fraunhofer ISE, sagt: „Unsere Studie zeigt: Wer heute in eine neue Heizung investiert, fährt mit Wärmepumpen oder Fernwärme in den allermeisten Fällen wirtschaftlicher als mit gasbasierten Lösungen – insbesondere mit Blick auf steigende Anforderungen und Kosten bei grünen Gasen."
Große Kostenspannen machen Beratung vor Heizungstausch ratsam
Die Studie betont, dass die tatsächlichen Kosten stark von lokalen Rahmenbedingungen abhängen. Gebäudegröße, energetischer Zustand und die verfügbare Infrastruktur vor Ort beeinflussen die Wirtschaftlichkeit erheblich. Im Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohneinheiten etwa liegen die Mehrkosten des Gaskessels 33 Prozent über denen der Wärmepumpe und 15 Prozent über denen der Fernwärme – das sind 10.500 beziehungsweise 5.400 Euro pro Wohneinheit über 20 Jahre. In keinem der untersuchten Fälle war die Wärmepumpe teurer als das günstigste Gaskessel-Szenario. Die Bandbreiten der Jahresgesamtkosten von Fernwärme und Gaskessel überlappen sich jedoch – das heißt, unter lokal günstigen Bedingungen kann Fernwärme teurer ausfallen als ein Gaskessel.
Vor diesem Hintergrund spricht sich MVV Energie für eine verpflichtende, unabhängige Beratung vor jedem Heizungstausch aus. Dr. Oliver Kopp, Leiter Energiewirtschaft bei MVV Energie, sagt: „Für Eigentümer ist es schwierig, die Unsicherheiten und langfristigen Kosten von Gasheizungen mit Biotreppe realistisch einzuschätzen. Deshalb sprechen wir uns klar für eine verpflichtende, unabhängige Beratung vor einem Heizungstausch aus. Dies ist die Grundlage für eine zukunftssichere und wirtschaftliche Entscheidung."
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29.06.2026

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