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Erneute Krise nach gescheiterter Sanierung: Gläubiger drängen bei Varta auf Zerschlagung des Konzerns
Bereits 2024 hatte sich Varta über das StaRUG-Verfahren neu aufgestellt: Die damaligen Investoren brachten frisches Eigenkapital ein, während die Gläubiger im Gegenzug auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichteten. Dass sich der Konzern nun erneut in schwierigem Fahrwasser befindet, rückt die Rolle sowohl der Eigentümer als auch der Gläubiger in den Mittelpunkt, die über die künftige Aufstellung des Unternehmens mitentscheiden.
Insolvenzantrag beim Amtsgericht Stuttgart
Die Varta AG mit Sitz in Ellwangen sowie drei Tochtergesellschaften haben am Freitag, den 24. Juli 2026, Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Stuttgart gestellt. Betroffen sind neben der Konzernmutter die Varta Microbattery GmbH (Ellwangen), die Varta Micro Production GmbH (Nördlingen) sowie die Varta Storage GmbH, in der das Geschäft mit Solarspeichern und Energiemanagementsystemen gebündelt ist.
Das Gericht bestellte den auf Insolvenz- und Restrukturierungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor zum vorläufigen Sachwalter und ordnete für die Varta Microbattery GmbH ebenfalls eine vorläufige Eigenverwaltung an.
Ausdrücklich ausgenommen ist der Geschäftsbereich Varta Consumer Batteries, der rechtlich, operativ und finanziell eigenständig aufgestellt ist. Vorstandschef Michael Ostermann bezeichnete den Schritt als persönlich belastend und kündigte an, man arbeite mit aller Kraft daran, „so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten".
Verlorener Großkunde und schwierige Marktlage
Als Ursachen der aktuellen Krise nennt Varta eine schwächere Nachfrage, negative Währungseffekte sowie den Rückzug eines Ankerkunden aus der Zusammenarbeit. Nach Berichten mehrerer Medien, darunter FAZ und Augsburger Allgemeine, handelt es sich bei dem Ankerkunden um Apple. Varta hat für den US-Technologiekonzern am Standort Nördlingen bislang Knopfzellen für kabellose Kopfhörer produziert – die Fertigung soll künftig offenbar durch Zulieferer aus Asien ersetzt werden. Hinzu kommen nach Angaben von Varta komplexe konzerninterne Verflechtungen, die eine wirksame Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen erschweren und zusätzlichen Liquiditätsbedarf auslösen.
Eigentümer und Gläubiger nach der Sanierung 2024
Eigentümer der Varta AG sind seit der StaRUG-Sanierung 2024 zu etwa gleichen Teilen Michael Tojner über seine Gesellschaft MT InvestCo sowie der Sportwagenhersteller Porsche; die Aktie wurde im Zuge der damaligen Restrukturierung von der Börse genommen.
Bereits im Vorfeld des jetzigen Insolvenzantrags hatte die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox in einer eigenen Mitteilung angekündigt, das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen und in eine neue Eigentümerstruktur überführen zu wollen. Betroffen ist damit dieselbe Sparte Varta Consumer Batteries, die von den aktuellen Insolvenzanträgen ausdrücklich ausgenommen ist. Eine Analyse der Unternehmensberatung FTI habe einen operativen Liquiditätsbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich ergeben. Ein Sprecher der Gläubigergruppe erklärte: „Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen." Die Gruppe kündigte an, ihre vertraglichen Rechte aus den Finanzierungsvereinbarungen der Restrukturierung von 2024 auszuüben; eine Umsetzung stehe unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Varta hat die Mitteilung der Gläubiger nicht kommentiert.
Folgen für Beschäftigte und Standorte
Varta beschäftigt nach zuletzt veröffentlichten Angaben rund 3.260 Mitarbeitende, den Großteil davon am Stammsitz in Ellwangen sowie an den Standorten Dischingen und Nördlingen. Löhne und Gehälter sollen nach Unternehmensangaben auch nach der Antragstellung zunächst weitergezahlt werden.
Für das Werk in Nördlingen, an dem nach Unternehmensangaben rund 350 Mitarbeitende tätig sind, hatte Varta bereits im Mai 2026 eine Schließung zum Herbst angekündigt; diese Entscheidung steht unabhängig von dem laufenden Insolvenzverfahren. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut kündigte an, sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen und industrieller Wertschöpfung im Land einzusetzen, und betonte zugleich, die Entscheidung über die Zukunft des Konzerns liege bei Eigentümern, Investoren und Gläubigern.
Wirtschaftliche Bilanz und Ausblick
Zuletzt veröffentlichte Varta für 2024 einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro bei einem Verlust von 64,5 Millionen Euro. Ein förmliches Insolvenzverfahren ist bislang nicht eröffnet; die vier Anträge werden derzeit vom Amtsgericht Stuttgart geprüft. Ob und in welcher Form der Konzern fortbesteht, hängt von den weiteren Verhandlungen mit Eigentümern, Gläubigern und möglichen neuen Investoren ab.
© IWR, 2026
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