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Qualitas Energy startet Windpark-Repowering in Ingstetten – Baden-Württemberg hinkt Ausbauzielen hinterher
Baden-Württemberg gehört bei der installierten Windleistung weiterhin zu den Ländern mit unterdurchschnittlichem Ausbaustand. Nach einer aktuellen IWR-Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur sind im Land Stand Ende Juni 2026 rund 2.250 Megawatt Windleistung installiert; die Landesregierung strebt bis 2040 eine installierte Leistung von rund 12 Gigawatt an. Der Rückstand hat nach Einschätzung von Branchenverbänden unter anderem strukturelle Gründe: Das bundesweite Ausschreibungssystem für Windenergie an Land benachteiligt Standorte mit geringerem Windaufkommen im Süden.
Sechs neue Enercon-Anlagen ersetzen Altpark in Ingstetten
Rund 35 Kilometer südwestlich von Ulm hat Qualitas Energy die Bauarbeiten im Windpark Ingstetten im Alb-Donau-Kreis begonnen. Das Unternehmen baut fünf Bestandsanlagen des Typs NEG Micon NM 48 vollständig zurück und errichtet an ihrer Stelle sechs Anlagen des Typs Enercon E-175 EP5 E2 mit jeweils 7 MW Nennleistung. Der Windpark erreicht damit künftig eine Gesamtleistung von 42 MW – rechnerisch rund 7 Prozent der jährlich rund 600 Megawatt, die laut Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) für die Erreichung der Landesziele nötig sind. Den symbolischen Spatenstich am 29. Juli begleiteten unter anderem der Landtagsabgeordnete Michael Joukov, Ingstettens Bürgermeister Dieter Schmucker sowie Vertreter des Landratsamts Alb-Donau-Kreis. Nach Angaben von Qualitas Energy soll die Inbetriebnahme aller sechs Anlagen bis Ende 2027 abgeschlossen sein; der Windpark soll dann rechnerisch rund 28.000 Haushalte mit Strom versorgen. „Der Baustart in Ingstetten ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für den Ausbau unserer deutschen Windenergieplattform", sagt Johannes Overbeck, CEO Qualitas Energy Deutschland.
Vom Gemeinschaftsprojekt zum Alleingang: EnBW verkauft Anteile an Qualitas Energy
Ingstetten war ursprünglich ein Kooperationsprojekt zwischen der EnBW Windkraftprojekte GmbH und Qualitas Energy: EnBW plante zwei der sechs Anlagen, die übrigen Qualitas Energy. Im Juni 2025 erhielten beide Unternehmen gleichzeitig ihre immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen. Nach Abschluss der gemeinsamen Planungs- und Genehmigungsphase verkaufte EnBW ihre Genehmigung sowie weitere Projektrechte an Qualitas Energy, das den Windpark seither allein weiterentwickelt. Die für den Bau erforderlichen Ausschreibungszuschläge der Bundesnetzagentur für die ersten drei Anlagen erhielt Qualitas Energy im August 2025 im Rahmen eines 43-MW-Zuschlagspakets, das auch ein Repowering-Projekt im nordrhein-westfälischen Sassenberg-Gröblingen umfasste.
Effizienzgewinn durch moderne Turbinentechnik
„Durch den Ersatz älterer Turbinen durch moderne und leistungsstärkere Anlagen-Technologien steigern wir die Effizienz deutlich", sagt Christopher Koller, Projektmanager bei Qualitas Energy für den Windpark Ingstetten. Die vorhandenen Windressourcen am Standort ließen sich damit besser nutzen, so Koller. Die eingesetzte E-175 EP5 E2 ist nach Angaben des Herstellers Enercon die leistungsstärkste Serienversion aus dessen Portfolio für Standorte mit schwachen bis mittleren Windverhältnissen und seit 2026 verfügbar.
Politische Debatte um Süd-Kontingent
Mit 168,7 Megawatt neu installierter Windleistung im ersten Halbjahr 2026 kam Baden-Württemberg nach der aktuellen IWR-Auswertung nur auf Rang 5 der Flächenländer – ein Beleg für den anhaltenden Rückstand, der eine laufende energiepolitische Debatte um Anpassungen der Ausschreibungsbedingungen zugunsten windschwächerer Standorte speist. Laut PEE BW erhielt das Land in den vergangenen zwölf Monaten zudem lediglich Ausschreibungszuschläge von 184 Megawatt. Die Landesregierungen von Bayern und Baden-Württemberg haben deshalb gemeinsam im Bundesrat beantragt, die jährliche bundesweite Ausschreibungsmenge von 10.000 auf 14.000 Megawatt anzuheben und ein eigenes Zuschlagssegment für Süddeutschland von mindestens 20 Prozent des Volumens einzuführen. PEE-BW-Geschäftsführer Jürgen Scheurer fordert konkret, in den kommenden Jahren zusätzlich 10.000 Megawatt Ausschreibungsvolumen exklusiv für Süddeutschland bereitzustellen. Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker unterstützte die Forderung nach einem Südbonus: „Wir brauchen Windenergie auch im Süden für unsere Klimaziele und für die Versorgung der industriellen Zentren mit günstiger, heimisch produzierter Energie", sagte die Grünen-Politikerin.
© IWR, 2026
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