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Hochlauf des Wasserstoff-Kernnetzes: Erste Wasserstoffleitungen zwischen Lingen und Marl nehmen Betrieb auf

© RWE© RWE

Marl – Der Hochlauf des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes erreicht die Praxisphase: Erstmals fließt zertifizierter, erneuerbarer Wasserstoff über einen der ersten Abschnitte des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes zwischen einem Erzeugungsstandort in Niedersachsen und einem Industriestandort in Nordrhein-Westfalen.

Der Ausbau des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes tritt in eine neue Phase ein: Die Bundesnetzagentur hat ein rund 9.040 Kilometer langes Leitungsnetz mit einem Investitionsvolumen von 18,9 Milliarden Euro genehmigt, das bis 2032 fertiggestellt werden soll. Seit dem Start der Kapazitätsreservierungen im März 2026 hat sich die Nachfrage nach Transportkapazitäten verdoppelt. Der Verband der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) sieht darin ein Signal für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft.

Lingen und Marl: RWE-Wasserstoff legt 120 Kilometer bis zum Chemiepark zurück
Wie der Übergang von der Planungs- in die Praxis konkret aussehen kann, zeigt sich im niedersächsischen Lingen. Dort befinden sich zwei Elektrolyseanlagen von RWE mit einer Leistung von jeweils rund 100 Megawatt im laufenden Inbetriebnahmeprozess. Der dort erzeugte Wasserstoff fließt über ein rund 120 Kilometer langes Leitungsnetz der Fernleitungsnetzbetreiber Nowega und OGE sowie der Evonik-Tochter SYNEQT zum Chemiepark Marl, den SYNEQT seit Jahresbeginn als Infrastrukturbetreiber führt. Dort setzt Evonik den Wasserstoff in der Produktion ein.

Bis Ende 2026 soll die Elektrolyseleistung in Lingen auf 200 Megawatt steigen, ab 2027 auf 300 Megawatt. Der Wasserstoff erfüllt nach Unternehmensangaben die EU-Anforderungen für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO), wodurch Abnehmer ihn auf ihre Dekarbonisierungsziele anrechnen können. Das Projekt trägt den Namen GET H2 Nukleus und wird im Rahmen des IPCEI-Programms Hy2Infra mit Mitteln des Bundes sowie der Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen unterstützt.

„Das Zusammenspiel von Elektrolyse, Transportinfrastruktur und Abnahme funktioniert“, sagt Nikolaus Valerius, CEO der RWE Generation SE. In den kommenden Monaten bereite RWE die Anlagen auf den kommerziellen Betrieb vor.

OGE und Nowega erproben Netzzugang und Bilanzierung im Realbetrieb
Für die Fernleitungsnetzbetreiber OGE und Nowega ist die Teilstrecke zugleich ein Testfeld für den künftigen Regelbetrieb des Kernnetzes. „Zugleich schaffen wir mit dem Projekt wichtige Grundlagen für das zukünftige Marktdesign und erproben zentrale Prozesse wie Netzzugang, Kapazitätsbuchung und Bilanzierung im realen Betrieb“, sagt Thomas Hüwener, CEO von OGE. Nowega-Geschäftsführer Frank Heunemann verweist zudem auf Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt GET H2 TransHyDE, die nun in den laufenden Systembetrieb einfließen.

Bild: Wasserstoff-Kernnetzes zwischen Lingen und Marl © RWE

Kavernenspeicher Gronau-Epe: Weitere Leitungen bis 2027 geplant
Weitere Bausteine des GET H2 Nukleus sind bereits fertig oder in Umsetzung. Ende 2025 haben OGE und Nowega eine rund zehn Kilometer lange Neubauleitung von Heek nach Epe fertiggestellt, die den dortigen Kavernenspeicher anbindet. RWE Gas Storage West will diesen ab Ende 2026 befüllen; die Inbetriebnahme des nach Unternehmensangaben ersten kommerziellen Wasserstoff-Kavernenspeichers Europas ist für Mitte 2027 vorgesehen. Um weitere Industriekunden anzuschließen, stellen OGE und Nowega bis 2027 zusätzlich eine bestehende Leitung von Legden nach Dorsten auf Wasserstoffbetrieb um und bauen eine neue Leitung von Dorsten nach Marl. Bereits fertiggestellt ist außerdem eine SYNEQT-Leitung zwischen dem Chemiepark Marl und der Raffinerie Gelsenkirchen-Scholven.

Der Ausbau des bundesweiten Kernnetzes setzt sich derweil fort: Die Netzbetreiber haben im Juni 2026 einen ersten integrierten Netzentwicklungsplan vorgelegt, der das Kernnetz um weitere rund 200 Kilometer auf etwa 9.240 Kilometer erweitern soll; eine Bestätigung durch die Bundesnetzagentur steht noch aus.

© IWR, 2026


05.08.2026

 



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