Hitze und Niedrigwasser setzen Europas Atomkraftwerken zu – Rumänien erstmals seit 2003 ohne Kernkraft
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Münster – Ein extrem heißer und trockener Sommer setzt Europas Atomkraftwerken in mehreren Ländern gleichzeitig zu: Frankreich, die Schweiz, Ungarn und Rumänien mussten in den vergangenen Wochen Reaktoren wegen Wassermangels, hoher Wassertemperaturen und einer Quallenplage drosseln oder vom Netz nehmen.
Viele Atomkraftwerke benötigen zur Kühlung große Mengen Wasser aus Flüssen oder dem Meer. Werden diese durch Hitze und Trockenheit zu warm oder sinkt der Pegel zu stark, schränkt das Leistung und Verfügbarkeit ein. Genau das zeigt sich in diesem Sommer wieder in mehreren europäischen Ländern: In Frankreich, der Schweiz, Ungarn und Rumänien mussten Reaktoren gedrosselt oder abgeschaltet werden. Die Ereignisse werfen damit die Frage auf, wie zuverlässig Atomkraftwerke unter zunehmend extremen klimatischen Bedingungen Strom liefern können.
Frankreich: Hitze, Niedrigwasser und Quallen bremsen AKW
Am 12. August waren nach einer Auswertung von EDF-Daten durch die Nachrichtenagentur AFP 20,4 Prozent der französischen Atomkraftkapazität wegen umweltbedingter Einschränkungen nicht verfügbar. Das ist laut AFP ein Rekord seit Beginn der vergleichbaren Datenerfassung im Jahr 2015. Betroffen waren 13 der insgesamt 57 französischen Reaktoren: Acht waren vollständig abgeschaltet, fünf liefen mit reduzierter Leistung. Betrachtet man die nicht verfügbare und gedrosselte Leistung in Summe, dann ergibt sich laut AFP an diesem Tag zeitweise eine Kapazität von bis zu 7,3 Gigawatt, die nicht für die Stromproduktion zur Verfügung stand.
EDF dokumentiert für mehrere Standorte Einschränkungen infolge der Wetterbedingungen. So hat EDF im Kernkraftwerk Chooz die beiden Blöcke mit jeweils 1.450 MW Leistung wegen der geringen Wasserführung der Maas und der Verpflichtung zur Einhaltung des französisch-belgischen Abkommens von 1998 zur Mindestwasserführung abgeschaltet. In Golfech wurde Block 2 (1.310 MW) wegen der hohen Temperatur der Garonne abgeschaltet. Im größten französischen Atomkraftwerk Gravelines (6 Reaktoren mit jeweils 900 MW) beeinträchtigte zudem ein massives Quallenaufkommen die Kühlwasserzufuhr. EDF zufolge führten die Quallen am 10. August zum automatischen Abschalten der Blöcke 3 und 4; Block 2 wurde vorsorglich abgeschaltet und Block 1 auf 50 Prozent Leistung reduziert. Block 2 wurde am 13. August wieder ans Netz genommen, während die Blöcke 3 und 4 zunächst außer Betrieb blieben.
Schweiz: Beznau mit beiden Blöcken außer Betrieb
Auch in der Schweiz schränkt die Wassertemperatur den AKW-Betrieb ein. Das Kernkraftwerk Beznau im Kanton Aargau (2 Blöcke mit jeweils 365 MW) entnimmt sein Kühlwasser direkt aus der Aare. Überschreitet die Temperatur der Aare nach vollständiger Durchmischung mit dem zurückgeleiteten Kühlwasser 25 Grad Celsius, muss der Schweizer Energieversorger und Betreiber Axpo den Wärmeeintrag reduzieren und die Leistung auf bis zu 50 Prozent drosseln. Nach mehreren temperaturbedingten Leistungsreduzierungen und Abschaltungen im Verlauf des Sommers wurden am 31. Juli beide Reaktoren mit zusammen 730 MW Leistung vollständig heruntergefahren. Block 2 befindet sich seit dem 4. August zusätzlich im geplanten Brennelementwechsel.
Donau: Niedrigwasser setzt Paks unter Druck und legt Cernavodă lahm
Auch an der Donau, an der laut dem europäischen Klimawandeldienst Copernicus in weiten Teilen die niedrigsten Abflusswerte seit mehr als 30 Jahren gemessen werden, zeigt sich, wie stark die Verfügbarkeit von Atomkraftwerken von der Wasserführung abhängt.
Im ungarischen Paks, das laut Betreiber MVM Paksi Atomerőmű eine Gesamtleistung von 2.000 MW hat, mussten wegen des niedrigen Wasserstands die Blöcke 1, 3 und 4 heruntergefahren werden. Block 2 (500 MW) lief anschließend elf Tage lang mit 50 Prozent Leistung. Nachdem sich die Wasserführung verbessert hatte, begann der Betreiber MVM am 10. August mit dem schrittweisen Wiederanfahren von Block 2.
Weiter flussabwärts verschärfte sich die Situation in Rumänien. Das Kernkraftwerk Cernavodă mit einer Gesamtleistung von rund 1.400 MW wird von der staatlichen Gesellschaft Nuclearelectrica S.A. betrieben. Das Unternehmen begann am 13. August mit der kontrollierten Abschaltung von Block 2 (700 MW). Nuclearelectrica nennt als Grund den weiter sinkenden Pegel der Donau. Block 1 (700 MW) war deshalb bereits Ende Juli abgeschaltet worden. Damit sind beide Reaktoren des einzigen rumänischen Kernkraftwerks derzeit außer Betrieb. Nach Angaben von AFP ist dies die erste vollständige Abschaltung des Kraftwerks seit der Dürre von 2003.
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14.08.2026

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