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Kostenlogik des Netzpakets infrage gestellt: EWI errechnet 70 Milliarden Euro Kostenvorteil – LEE NRW warnt vor falschem Fokus

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Düsseldorf – Das Netzpaket der Bundesregierung soll unter anderem die Kosten für Redispatch und andere Engpassmanagementmaßnahmen senken und den Zubau erneuerbarer Anlagen stärker mit dem Netzausbau synchronisieren. Dass eine auf einzelne Kostenpositionen fokussierte Betrachtung nicht zwangsläufig zum kostengünstigsten Stromsystem führt, zeigt ein Gutachten des EWI im Auftrag des LEE NRW.

Die Frage, welcher Maßstab die Energiepolitik beim Umbau des Stromsystems leiten sollte, prägt derzeit die Debatte um das Netzpaket. Das Gutachten „Kosteneffizienz im Stromsystem - Modellbasierte Analyse von Möglichkeiten zur Senkung der Stromsystemkosten“ des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) legt dabei eine Betrachtung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten nahe, statt sich auf einzelne Kostenblöcke zu konzentrieren.

EWI vergleicht drei Pfade: Kostenoptimum spart 70 Milliarden Euro
Das EWI vergleicht in dem Gutachten "Kosteneffizienz im Stromsystem" drei Entwicklungspfade für ein bis 2045 klimaneutrales deutsches Stromsystem: einen Referenzpfad nach den aktuell gesetzlich vorgeschriebenen Ausbauzielen für erneuerbare Energien (REF), einen Pfad mit reduziertem EE-Ausbau und entsprechend höherem Anteil variabler Kosten (VAR) sowie ein kostenoptimiertes Szenario (OPT). Im kostenoptimierten Szenario setzt sich der künftige Anlagenpark stärker aus Windenergie an Land und Freiflächen-Photovoltaik zusammen, während Erzeugung und Netzinfrastruktur enger aufeinander abgestimmt und dezentrale Flexibilitäten stärker genutzt werden.

Aspekte des laufenden Netzbetriebs wie Redispatch oder EE-Vorhersagefehler werden in der Modellierung allerdings nicht abgebildet. Bei Freiflächen-Photovoltaik unterscheidet das Modell zudem nicht nach Verteilnetzausbaukosten gegenüber Aufdach-PV, obwohl Freiflächenanlagen in der Realität voraussichtlich höhere Kosten verursachen.

Über den gesamten Modellzeitraum bis 2045 ergeben sich für das kostenoptimierte Szenario gegenüber dem Referenzpfad kumulierte Einsparungen von rund 70 Milliarden Euro. Im Vergleich zum VAR-Szenario mit reduziertem EE-Ausbau beträgt der Kostenvorteil des kostenoptimierten Szenarios allein im Jahr 2045 rund zwölf Milliarden Euro. Eine Kostendifferenz dieser Größenordnung dürfte sich nach Einschätzung der Gutachter auch in den Folgejahren ergeben. Ein dauerhaft reduzierter EE-Ausbau geht der Modellierung zufolge zudem mit steigenden Strom- und Wasserstoffimporten einher.

LEE NRW kritisiert Fokus auf Redispatchkosten im Netzpaket
Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) leitet aus dem Gutachten Kritik am Netzpaket ab, das das Bundeskabinett am 29. Juli 2026 beschlossen hat und das nun noch das parlamentarische Verfahren durchläuft. Es sieht in kapazitätslimitierten Netzgebieten einen Redispatchvorbehalt vor: Betreiber neuer Erneuerbaren-Anlagen sollen dort teilweise auf die Entschädigung für netzbedingte Abregelung verzichten. „Wer nur einzelne Kostenpositionen betrachtet, läuft Gefahr, das Gesamtsystem teurer zu machen“, sagt Hans-Josef Vogel, Vorstandsvorsitzender des LEE NRW.

Der Verband bemängelt, das Netzpaket enthalte keine ausreichenden Anreize für einen schnelleren Netzausbau, eine bessere Auslastung bestehender Netze oder Sanktionen bei verzögertem Netzausbau. Stattdessen würden zusätzliche wirtschaftliche Risiken vor allem den Betreibern der Erneuerbaren-Anlagen auferlegt – aus Sicht des LEE NRW ein Punkt, der insbesondere Bürgerenergiegesellschaften und kleinere Projektierer treffen könnte. „Die Verantwortung für ein kosteneffizientes Stromsystem müssen Netzbetreiber und Betreiber der Erneuerbaren Energien gemeinsam verbindlich wahrnehmen“, sagt Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW.

BET-Consulting-Studie stützt Kritik: mehr als 120 Milliarden Euro Einsparpotenzial
Zu ähnlichen Ergebnissen wie das EWI kommt eine Studie der Unternehmensberatung BET Consulting. Das darin vorgeschlagene systemdienliche Strommarktdesign könnte den Berechnungen von BET zufolge bis 2045 Einsparungen von mehr als 120 Milliarden Euro ermöglichen – davon rund 80 Milliarden Euro allein bei den Netzausbaukosten, während sich der Bedarf an Back-up-Kraftwerkskapazitäten um etwa 18 Gigawatt verringern ließe.

LEE NRW fordert Nachbesserung im Bundestag
Der LEE NRW fordert die Bundesregierung auf der Grundlage der Erkenntnisse aus den Gutachten von EWI und BET auf, das Netzpaket im weiteren parlamentarischen Verfahren so anzupassen, dass die Gesamtsystemkosten stärker berücksichtigt werden. Dabei verweist der Verband auf die im Netzpaket vorgesehene systemdienliche Begrenzung der Anschlusswirkleistung von Wind- und Photovoltaikanlagen, die aus seiner Sicht in Kombination mit dem geplanten EEG 2027 weiterentwickelt werden müsse, um systemdienlichere Anlagen zu fördern, ohne den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen.

© IWR, 2026


19.08.2026

 



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