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Fraunhofer ISE und Öko-Institut: Wärmepumpen und Wärmenetze werden zum Rückgrat der Wärmewende

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Freiburg – Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das Rückgrat der kommunalen Wärmewende, methodische Lücken bei Sanierung, Biomasse und Prozesswärme bleiben aber bestehen. Das bestätigt eine neue Auswertung von Fraunhofer ISE und Öko-Institut im Rahmen der Studie „Kommunale Wärmeplanung in Deutschland".

Ein Großteil der neu hinzugekommenen Wärmepläne beruht bereits auf dem bundesweiten Wärmeplanungsgesetz. Dass sich die zentralen Trends nun auf breiterer Datenbasis bestätigen, verschafft den Kommunen laut Öko-Institut eine bessere Grundlage für Entscheidungen zum Ausbau von Strom- und Wärmenetzen sowie zum Umgang mit bestehenden Gasverteilnetzen.

Wärmepumpen sollen 2045 rund 41 Prozent der Wärmeversorgung abdecken
Für die zweite Ausgabe werteten Fraunhofer ISE und Öko-Institut rund 380 Wärmepläne aus, die etwa 940 Kommunen umfassen – deutlich mehr als bei der ersten Auswertung von Mai 2025. Die untersuchten Kommunen planen bis 2045 einen weitgehenden Ausstieg aus Erdgas und Heizöl. An deren Stelle treten vor allem Wärmepumpen und Wärmenetze: Wärmepumpen sollen 2045 rund 41 Prozent der Wärmeversorgung abdecken, die leitungsgebundene Wärmeversorgung rund 36 Prozent. In kleineren und mittleren Kommunen spielen dezentrale Wärmepumpen laut Studie eine besonders große Rolle, größere und dichter bebaute Städte setzen stärker auf Wärmenetze.





Bild: Endenergiebedarf Wärme nach Energieträgern der ausgewerteten kommunalen Wärmeplanungen für Wärme bis 2045 - © Öko-Institut & Fraunhofer ISE



Wärmenetzanteil soll bis 2035 auf 95 Prozent der Kommunen steigen, Erzeugungsmix bleibt oft offen
Bereits heute verfügt ein Großteil der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz, aktuell 71 Prozent; bis 2030 soll der Anteil auf 91 Prozent und bis 2035 auf 95 Prozent steigen. Der Anteil der über Wärmenetze bereitgestellten Wärme soll in diesen Kommunen von derzeit rund 15 Prozent auf 38 Prozent im Jahr 2045 wachsen. In mehr als der Hälfte der Wärmepläne fehlen jedoch Angaben dazu, wie die Wärmeerzeugung künftig erfolgen soll. „Dort, wo Angaben vorliegen, ist die häufigste Erzeugungskombination für Wärmenetze laut kommunalen Wärmeplänen die aus Wärmepumpen und biogenen Energieträgern. Diese wird ergänzt durch lokalspezifische Lösungen, die industrielle Abwärme und Geothermie nutzen", sagt Dr. Jessica Thomsen, Projektleiterin am Fraunhofer ISE. Einen einheitlichen Transformationspfad gibt es laut Studie nicht: Lokale Wärmequellen, bestehende Infrastrukturen, Siedlungsdichte und strategische Entscheidungen bestimmen die jeweils passende Lösung vor Ort.

Sanierungsraten, Biomassepotenziale und Prozesswärme bleiben größte Unsicherheiten
Über alle ausgewerteten Wärmepläne hinweg sinkt der angenommene Endenergiebedarf für Wärme bis 2045 um rund 32 Prozent. Zwei Drittel der untersuchten Kommunen setzen dabei eine jährliche Sanierungsrate voraus, die über dem historischen Vergleichswert von etwa einem Prozent liegt. Ob diese höheren Raten erreichbar sind, bleibt laut Studie allerdings vielfach offen.

Auch bei der Biomasse zeigt sich ein Zielkonflikt: In 63 Prozent der untersuchten Kommunen liegt der für 2045 geplante Verbrauch biogener Energieträger über dem lokal ausgewiesenen Potenzial. Aufsummiert über die ausgewerteten Wärmepläne übersteigt der geplante Verbrauch das Potenzial um fast 40 Prozent. Die Kommunen gehen damit teilweise davon aus, Biomasse aus anderen Regionen oder aus dem Ausland beziehen zu können. Werden solche Annahmen gleichzeitig in einer Vielzahl von Wärmeplänen getroffen, kann das laut Studie zu Nutzungskonkurrenzen führen. Hinzu kommt, dass die Wärmepläne unterschiedliche Begriffe und Abgrenzungen für Biomassepotenziale verwenden: Nicht immer ist laut Studie nachvollziehbar, welche Reststoffe, Flächen oder Holzsortimente eingerechnet und welche Nachhaltigkeitsanforderungen zugrunde gelegt werden.

Rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen machen in ihren Wärmeplänen Angaben zum Wärmebedarf von Industrie sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. In diesen Kommunen liegt der Anteil am gesamten Wärmebedarf im Schnitt bei rund 27 Prozent, in einzelnen, stark industriell geprägten Kommunen kann er mehr als die Hälfte ausmachen. Zwischen Raumwärme, Warmwasser und industrieller Prozesswärme unterscheiden die Wärmepläne dabei aber nur selten, wodurch sich Höhe und Temperaturniveau des Prozesswärmebedarfs laut Studie nicht zuverlässig bestimmen lassen. Wasserstoff spielt in den kommunalen Zielbildern insgesamt eine ergänzende Rolle: Rund zwei Drittel der Kommunen sehen für 2045 keinen Einsatz vor. Wird er eingeplant, dann vor allem für Industrie und zur Abdeckung von Spitzenlasten in Wärmenetzen. „Transparente und belastbare Annahmen zur Prozesswärme und konkrete Vorgaben etwa zur Nutzung von Biomasse würden die Planungen noch deutlich verbessern", sagt Marc Stobbe, Energieexperte am Öko-Institut.

Die Forschenden empfehlen deshalb, die zentralen Bedarfsannahmen der Wärmepläne transparent darzustellen und bei der Infrastrukturplanung auch weniger ambitionierte Sanierungsverläufe zu berücksichtigen. Für eine belastbarere überregionale Planung sind zudem einheitlichere Definitionen und Kriterien für Biomassepotenziale erforderlich.

© IWR, 2026


01.09.2026

 



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