Energiejobs.de

Das Karriereportal der Energiewirtschaft seit 2000

IWR Reuters News Center RTL 103 0347 1280 256

Ungleiches Tempo bei der Gebäude-Energiewende: Dena-Report sieht Wärmepumpen-Boom - PV-Zubau gebremst

© Adobe Stock© Adobe Stock

Berlin – Die Energiewende bei Gebäuden kommt im Neubau spürbar voran, im Bestand dagegen nur langsam: Das aktuelle Update des Gebäudereports der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zeigt einen wachsenden Vorsprung der Wärmepumpe gegenüber Gasheizungen. Bei PV-Anlagen auf Gebäuden verliert der Zubau deutlich an Tempo, während der Ausbau von Batteriespeichern an Dynamik gewinnt.

Im deutschen Gebäudebestand kommt die Energiewende insgesamt nur schleppend voran. Die Sanierungsquote im deutschen Wohngebäudebestand sank 2025 nach Angaben des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) auf einen Tiefstand von 0,67 Prozent. Der BuVEG hält eine jährliche Quote von rund zwei Prozent für erforderlich, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen.

Wärmepumpe erreicht im Neubau fast 74 Prozent, Bestand hinkt mit 56 Prozent Gasheizungen hinterher
Im Neubau ist der Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme laut dem Dena-Gebäudereport 2026 Update September weitgehend vollzogen: Erneuerbare Energien, Strom und Fernwärme kamen 2025 zusammen auf über 89 Prozent in fertiggestellten Wohngebäuden, nach rund 85 Prozent im Jahr zuvor. Wichtigster Treiber war die Wärmepumpe mit einem Anteil von knapp 74 Prozent, während Gasheizungen mit rund elf Prozent einen historischen Tiefstand erreichten. Nach Einschätzung von Corinna Enders, Vorsitzende der Dena-Geschäftsführung, ist der Umstieg im Neubau damit inzwischen Standard. Im Bestand müsse das Tempo dagegen erhöht werden.

Im Wohnungsbestand dominierten Gasheizungen 2025 weiterhin die Beheizungsstruktur, mit einem Anteil von 56,1 Prozent. Nachdem dieser Anteil über Jahre kontinuierlich gestiegen war, ging er 2023 erstmals leicht zurück und sank 2025 erneut – von 56,2 auf 56,1 Prozent. Der Anteil der Wärmepumpen im Bestand nahm 2025 gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zu. Bei Sanierungen fiel der Wandel deutlicher aus: Hier stieg der Wärmepumpen-Anteil an den Absatzzahlen von 21 Prozent (2024) auf 44 Prozent (2025).

Auch die aktuellen Verkaufszahlen bestätigen den Trend: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 194.500 Wärmepumpen abgesetzt, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gasheizungen kamen auf 134.000 verkaufte Geräte und damit ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bereits 2025 war die Wärmepumpe mit rund 299.000 Anlagen das meistverkaufte Heizsystem in Deutschland. Ihr Marktanteil stieg von 48 Prozent (2025) auf 55 Prozent im ersten Halbjahr 2026.

Sanierungsquote fällt auf 0,67 Prozent: BuVEG sieht „besorgniserregendes Niveau"
Wie tief der Rückstand im Bestand reicht, zeigen neben den Daten zur Beheizungsstruktur auch die Zahlen des BuVEG. Der Berliner Verband vertritt die Interessen von Herstellern aus dem Bereich Dämmstoffe, Fenster und Fassaden und lässt die bundesweite Sanierungsquote jährlich erheben. Sie sank 2025 auf 0,67 Prozent und erreichte damit einen neuen Tiefstand, nach 0,69 Prozent (2024), 0,70 Prozent (2023) und 0,88 Prozent (2022). Bei Nichtwohngebäuden fiel die Quote von 0,95 auf 0,92 Prozent. Insgesamt wurden 2025 rund 260.000 Wohneinheiten energetisch saniert, nach 265.000 im Vorjahr und 275.000 im Jahr 2023.

Der BuVEG verweist unter Bezugnahme auf die Dena-Leitstudie ‚Aufbruch Klimaneutralität‘ darauf, dass 2025 rund 460.000 Wohneinheiten hätten saniert werden müssen. Bis 2030 müsste die Zahl demnach auf bis zu 730.000 pro Jahr steigen. „Die Sanierungstätigkeit ist in Deutschland auf einem besorgniserregenden Niveau", sagte BuVEG-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs.

PV-Zubau sinkt um 17 Prozent, Speicherkapazität knackt die 30-Gigawattstunden-Marke
Bei PV-Anlagen auf Gebäuden zeigt der Bericht der Dena ein gegenläufiges Bild: Der PV-Zubau auf Gebäuden ging im ersten Halbjahr 2026 um 17 Prozent zurück, blieb damit aber weiterhin auf hohem Niveau. Der Gesamtbestand wuchs so auf rund 80 Gigawatt installierter Leistung. Konstant zeigt sich laut Report das Segment der Balkonkraftwerke. Im Jahr 2026 sind bundesweit mehr als 1,4 Millionen Plug-in-Anlagen registriert.

Deutlich dynamischer entwickelt sich der Markt für Batteriespeicher: Im Juli 2026 erreicht die installierte Speicherkapazität insgesamt die Marke von 30 Gigawattstunden, verteilt auf rund 2,6 Millionen Geräte. Monatlich kommen im Schnitt 47.400 neue Speicher hinzu. Den größten Anteil an der Kapazität – rund 24 Gigawattstunden – stellen weiterhin Heimspeicher in Wohngebäuden, wobei laut Dena-Bericht aktuell vor allem das Segment der Großbatteriespeicher stark wächst.

Solarspitzengesetz bremst Photovoltaik, Gebäudemodernisierungsgesetz soll Bestand Tempo geben
Den Rückgang beim PV-Zubau führt die Dena auf die geänderten Rahmenbedingungen im Solarspitzengesetz sowie auf eine Verunsicherung über die künftige Ausgestaltung des EEG zurück. Für den Gebäudebestand sieht Corinna Enders dagegen inzwischen mehr Klarheit: Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz und den neuen BEG-Förderbedingungen bestehe nun die notwendige Grundlage, um Eigentümerinnen und Eigentümern Planungssicherheit für Investitionen zu geben. „Entscheidend ist, dass die Rahmenbedingungen langfristig verlässlich bleiben", so Enders.

Ob sich das Tempo der vergangenen Monate auch auf andere Sanierungsbereiche überträgt, bleibt aus Sicht der Dena-Geschäftsführung offen: Enders äußerte die Hoffnung, dass sich der positive Trend künftig auch bei Gebäudeeffizienz, Dämmung und Fenstertausch zeigt.

© IWR, 2026


17.09.2026

 



Jobs & Karriere - Energiejobs.de

Pressemappen - mit Original-Pressemitteilungen