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Strom: Speicher werden zum Wirtschaftsfaktor - Vattenfall vermarktet neues 285-MW-Batterieportfolio
Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie wächst der Bedarf an Speichern. Die Aufgaben unterscheiden sich jedoch deutlich: Sie reichen von kleineren Speichern zur Optimierung des Eigenverbrauchs über Großspeicher zur Vermarktung am Strommarkt bis zu netzdienlichen Speichern, die die Netzbetreiber beim stabilen und sicheren Netzbetrieb unterstützen. Für längere Speicherzeiträume kommen wiederum andere Technologien und Einsatzkonzepte infrage.
Vattenfall übernimmt direkte Kontrolle über vier Großbatterien bis 2036
Nach Angaben von Vattenfall handelt es sich um das erste physische Batterieportfolio dieser Art in Europa. Anders als bei virtuell gebündelten Batteriespeichern erhält der Energiekonzern die direkte Kontrolle über die Anlagen und deren Betrieb.
Die vier Batteriesysteme sollen in die automatisierten Handels- und Optimierungsprozesse des Konzerns integriert werden. Abhängig von der Marktsituation kommen die Speicher sowohl am Großhandelsstrommarkt als auch auf den Märkten für Regelleistung zum Einsatz. Aufgrund ihrer schnellen Reaktionsfähigkeit können sie zudem Frequenzschwankungen und kurzfristige Ungleichgewichte im Stromnetz ausgleichen.
„Mit dem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem wird Flexibilität immer wichtiger. Batteriespeicher spielen dabei eine zentrale Rolle, um Erzeugung und Verbrauch auszugleichen und erneuerbaren Strom dann verfügbar zu machen, wenn er gebraucht wird“, so Björn Schneegans, Leiter des Origination-Teams und verantwortlich für Batteriespeicher bei Vattenfall.
Zur Speicherkapazität der vier Anlagen in MWh macht Vattenfall keine Angaben. Damit lässt sich aus der genannten Gesamtleistung von 285 MW nicht ableiten, über welchen Zeitraum die Batteriespeicher diese Leistung bereitstellen können.
Alle vier Projekte haben nach Unternehmensangaben das Financial Close erreicht. Drei der vier Speicher befinden sich bereits im Bau. Die kommerzielle Inbetriebnahme soll abhängig vom jeweiligen Fertigstellungszeitpunkt ab Januar 2027 beginnen. Die Vereinbarungen zur Nutzung der Speicher durch Vattenfall laufen bis 2036.
In den kommenden Jahren will Vattenfall ein Batterieportfolio mit einer Leistung von insgesamt 1,5 GW optimieren. Parallel baut der Konzern eigene Speicherkapazitäten auf. Rund 270 MW befinden sich nach Unternehmensangaben bereits in Betrieb oder im Bau. Hinzu kommen weitere 254 MW am Standort Brunsbüttel.
Speicher ist nicht gleich Speicher - unterschiedliche Aufgaben im Stromsystem
Batteriespeicher können im Stromsystem sehr unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Kleinere Speicher bei Haushalten oder Unternehmen dienen häufig dazu, selbst erzeugten Solarstrom zwischenzuspeichern und dadurch den Eigenverbrauch zu erhöhen. Großbatteriespeicher wie die von Vattenfall vermarkteten Anlagen verfolgen dagegen vor allem ein marktwirtschaftliches Geschäftsmodell. Ihre Flexibilität wird auf verschiedenen Strommärkten vermarktet und abhängig von Preisen und Marktsituation optimiert.
Eine weitere Anwendung ist der gezielt netzdienliche Einsatz von Speichern. Hier steht nicht primär die Nutzung von Preisunterschieden am Strommarkt im Vordergrund, sondern die Unterstützung eines stabilen und sicheren Netzbetriebs.
Netzbetreiber sind für den sicheren Netzbetrieb verantwortlich. Sie können festlegen, welchen Speicherbedarf sie für ihr Netz haben und welche technischen Anforderungen erfüllt werden müssen, und entsprechende Speicher- und Flexibilitätsleistungen am Markt ausschreiben und beschaffen. Aufgrund ihrer Monopolstellung im Netzbetrieb dürfen sie Speicher grundsätzlich jedoch nicht selbst besitzen oder betreiben; dies ist nur in genehmigten Ausnahmefällen möglich. Ein Beispiel für eine solche Ausnahme ist der Netzbooster des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW in Kupferzell mit 250 MW Leistung und 250 MWh Speicherkapazität.
Die unterschiedlichen Einsatzfelder sind allerdings nicht strikt voneinander getrennt. Ein Batteriespeicher kann technisch mehrere Aufgaben übernehmen.
Von Redox-Flow bis Wasserstoff - Speicherdauer entscheidet über Technologie
Davon zu unterscheiden sind längere Speicherzeiträume. Hier können auch andere Batterietechnologien interessant werden. Ein aktuelles Beispiel ist das FlexBase-Projekt im schweizerischen Laufenburg. Dort ist eine Vanadium-Redox-Flow-Batterie mit zunächst bis zu 1,5 GWh Speicherkapazität geplant. Die Netzanschlussleistung ist in der ersten Projektphase auf maximal 800 MW begrenzt. Wie lange die gespeicherte Energie reicht, hängt jedoch von der tatsächlich abgerufenen Leistung ab: Je geringer die Leistung, desto länger kann der Speicher Energie bereitstellen. In einer späteren Ausbaustufe soll die Speicherkapazität nach Angaben des Technologieanbieters Invinity auf bis zu 2,1 GWh steigen.
Das Beispiel zeigt, warum bei Speichern neben der Leistung in MW auch die Speicherkapazität in MWh beziehungsweise GWh eine zentrale Kenngröße ist. Die Leistung bestimmt, wie viel Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt bereitgestellt werden kann, die Kapazität, wie viel Energie insgesamt gespeichert ist. Redox-Flow-Batterien sind aufgrund der getrennten Skalierbarkeit von Leistung und Speicherkapazität insbesondere für längere Speicherdauern interessant.
Für die Überbrückung noch längerer Zeiträume von Tagen, Wochen oder saisonalen Schwankungen rücken andere Speicherlösungen in den Vordergrund. Dazu zählen insbesondere Wasserstoff, aber auch Druckluft-, thermische und weitere Langzeitspeicher. Welche Technologie geeignet ist, hängt dabei wesentlich von der benötigten Speicherdauer und dem jeweiligen Einsatzgebiet ab.
© IWR, 2026
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