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Grüner Wasserstoff aus Wasserkraft: EnBW und Naturenergie erweitern Elektrolyseleistung in Wyhlen auf 6 MW

© EnBW AG© EnBW AG

Grenzach-Wyhlen - EnBW und Naturenergie haben am Wasserkraftwerk Grenzach-Wyhlen einen neuen 5-MW-Elektrolyseur zur Produktion von grünem Wasserstoff eingeweiht. Zusammen mit der bestehenden 1-MW-Anlage steigt die Elektrolyseleistung am Standort auf 6 MW. Der kommerzielle Betrieb der neuen Anlage ist nach Abschluss der Inbetriebnahme und eines Probebetriebs für Anfang 2027 vorgesehen.

Mit der Erweiterung geht das seit 2021 laufende Reallabor H2-Wyhlen in seine letzte Phase. Das mit 15 Mio. Euro vom Bund geförderte Projekt erprobt die Wasserstoffproduktion unter realen Betriebsbedingungen und soll Erkenntnisse für den kommerziellen Einsatz liefern. Der Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund eines bislang deutlich langsameren Elektrolysehochlaufs in Deutschland als politisch angestrebt.

Neuer 5-MW-Elektrolyseur kann schnell auf Stromangebot reagieren
Die beiden Elektrolyseure in Wyhlen nutzen Strom aus dem benachbarten Laufwasserkraftwerk mit 38,5 MW Leistung. Während die bestehende alkalische 1-MW-Anlage für einen gleichmäßigen Betrieb ausgelegt ist, kann der neue 5-MW-PEM-Elektrolyseur seine Leistung schnell hoch- und herunterfahren. Damit lässt sich die Wasserstoffproduktion flexibel an das Stromangebot anpassen - eine Eigenschaft, die mit steigenden Anteilen wetterabhängiger Wind- und Solarenergie im Stromsystem an Bedeutung gewinnt.

Parallel wurde die Infrastruktur am Standort erweitert. Neue stationäre Speicher erhöhen die Wasserstoff-Speicherkapazität um 3,8 Tonnen auf rund 5 Tonnen. Mit vier zusätzlichen Abfüllstationen stehen künftig sieben Plätze für die Befüllung von Druckbehältern auf Lkw zur Verfügung. Der Wasserstoff soll Industrie- und Mobilitätskunden in der Grenzregion Deutschland, Schweiz und Frankreich versorgen.

H2-Wyhlen: 40-Mio.-Euro-Projekt wechselt 2027 in den kommerziellen Betrieb
Das Gesamtprojekt H2-Wyhlen hat ein Volumen von rund 40 Mio. Euro. Der Bund unterstützt das Reallabor im Programm „Reallabore der Energiewende“ mit 15 Mio. Euro, davon entfallen rund 9 Mio. Euro auf die Erweiterung. EnBW hat die Gesamtprojektleitung und Forschungskoordination übernommen, Naturenergie betreibt das Wasserkraftwerk und die bestehende Wasserstoffanlage.

Der neue Elektrolyseur hat Ende Juli erstmals Wasserstoff erzeugt. Derzeit werden unter realen Betriebsbedingungen weitere Komponenten wie Gasaufbereitung, Verdichter und Speichersysteme getestet und hochgefahren. Bis Ende 2026 soll die technische Inbetriebnahme abgeschlossen sein. Nach dem Probebetrieb übernimmt Naturenergie die neue Anlage in den kommerziellen Betrieb; damit endet zugleich das Reallabor.

Wasserstoffhochlauf in Deutschland liegt deutlich hinter 10-GW-Ziel
Die Nationale Wasserstoffstrategie sieht für 2030 mindestens 10 GW Elektrolysekapazität in Deutschland vor. Wasserstoff und seine Derivate sollen insbesondere dort fossile Energieträger ersetzen, wo eine direkte Elektrifizierung nur schwer möglich ist. Damit soll zugleich die Abhängigkeit von importiertem Erdgas, Erdöl und daraus hergestellten Energieträgern verringert werden.

Von diesem Ziel ist Deutschland noch weit entfernt. Nach dem Monitoringbericht der Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring waren Mitte 2025 erst rund 160 MW Elektrolyseleistung installiert. Projekte mit rund 1.200 MW für 2030 befanden sich im Bau oder hatten eine finale Investitionsentscheidung erreicht. Die Expertenkommission kommt daher zu dem Ergebnis, dass das 10-GW-Ziel für 2030 in weite Ferne gerückt ist.

Das Projekt in Wyhlen adressiert neben dem Kapazitätsausbau eine weitere Herausforderung: Elektrolyseure können als flexible Verbraucher auf das Stromangebot reagieren. Der neue, schnell regelbare Elektrolyseur soll dafür Erfahrungen unter realen Betriebsbedingungen liefern. Gelingt der Hochlauf der heimischen Wasserstoffproduktion, kann Wasserstoff damit nicht nur fossile Energieträger in schwer elektrifizierbaren Anwendungen ersetzen, sondern auch dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu verringern.

© IWR, 2026


06.10.2026

 



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