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Scatec-Aktie bricht bis zum Mittag um fast 18 Prozent ein - Solar- und Speicherbetreiber senkt Ergebnisprognose deutlich

© Scatec© Scatec

Oslo - Die Aktie des norwegischen Solar- und Speicherbetreibers Scatec ist am Donnerstagvormittag nach einer deutlichen Senkung der Ergebnisprognose für 2026 um fast 18 Prozent eingebrochen. Das Unternehmen nennt regulatorische Eingriffe, Belastungen durch den Ukraine-Krieg, Projektverzögerungen und Wechselkurseffekte als Ursachen.

Das internationale Geschäft mit erneuerbaren Energien bietet Projektentwicklern und Anlagenbetreibern Wachstumschancen, ist jedoch je nach Markt mit unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Risiken verbunden. Neben geopolitischen Konflikten können regulatorische Eingriffe in Strommärkte und Verzögerungen beim Netzausbau die Ertragsaussichten erheblich beeinflussen. Bei Scatec treffen derzeit mehrere dieser Belastungsfaktoren gleichzeitig aufeinander.

Scatec senkt EBITDA-Prognose zum zweiten Mal
Scatec hat seine Prognose für das anteilige EBITDA im Stromproduktionsgeschäft 2026 um 300 Mio. NOK (rund 28,5 Mio. Euro) auf 3,3 bis 3,6 Mrd. NOK (rund 314 bis 342 Mio. Euro) gesenkt. Zuvor hatte das Unternehmen 3,6 bis 3,9 Mrd. NOK (rund 342 bis 371 Mio. Euro) erwartet.

Bereits im ersten Quartal hatte Scatec die ursprüngliche Prognose von 3,8 bis 4,1 Mrd. NOK (rund 361 bis 390 Mio. Euro) um 200 Mio. NOK (rund 19 Mio. Euro) reduziert. Der Mittelpunkt der aktuellen EBITDA-Spanne liegt damit 12,7 Prozent unter der ursprünglichen Jahreserwartung.

Am Börsenplatz Stuttgart fiel der Kurs des im regenerativen Aktienindexes RENIXX-World gelisteten Unternehmens am Donnerstagvormittag bis zum Mittag um 17,8 Prozent auf 7,545 Euro (Stand: 12:04 Uhr).

Philippinen: Eingriff in Reservemarkt verändert Ertragsaussichten
Auf den Philippinen hat die Energieregulierungsbehörde ERC am 12. Oktober 2026 den Handel und die Abrechnung im Reservemarkt des Stromspotmarktes WESM vorläufig ausgesetzt. Hintergrund sind hohe Kosten für Systemdienstleistungen. Die zuständigen Marktorganisationen sollen innerhalb von sechs Monaten eine neue Marktstruktur vorschlagen, während längerfristige Verträge die Reservebeschaffung absichern sollen.

Für Scatec ist die Entscheidung besonders relevant. Das Unternehmen ist über das Gemeinschaftsunternehmen SNAP am philippinischen Wasserkraftmarkt beteiligt. Wegen schwächerer Wasserführung hatte Scatec im August seine Stromproduktionsprognose um 50 GWh reduziert, die EBITDA-Erwartung jedoch bestätigt. In der damaligen Telefonkonferenz verwies das Management auf höhere Strom- und Systemdienstleistungspreise, die geringere Erzeugungsmengen teilweise ausgleichen könnten.

Die Marktaussetzung stellt diese Erlöserwartungen teilweise infrage. Welche Erlöse konkret betroffen sind, hat Scatec nicht beziffert. SNAP verfügt auch über längerfristige Verträge für Systemdienstleistungen.

Ukraine-Krieg und Netzanschlussprobleme belasten weitere Projekte
In der Ukraine beeinträchtigen verstärkte russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur den Betrieb von Scatecs fünf Solarparks mit insgesamt 336 MW. Reparaturen an einer bereits 2025 direkt getroffenen Anlage verzögern sich. Zudem verschlechtern sich nach Unternehmensangaben die Bewertung der Länderrisiken und die langfristigen Strompreiserwartungen.

In Südafrika verzögert sich die kommerzielle Inbetriebnahme des Batteriespeichers Mogobe mit 103 MW Leistung und 412 MWh Kapazität wegen ausstehender Netzanschlussarbeiten des staatlichen Versorgers Eskom.

In Pakistan dürfte sich der bislang für 2026 erwartete Tarifabgleich verzögern. Zusätzlich belasten laut Scatec schwächere operative Landeswährungen gegenüber der norwegischen Krone die EBITDA-Prognose.

Unterschiedliche Risiken erschweren die Ergebnisplanung
Die Belastungen unterscheiden sich in ihrer wirtschaftlichen Wirkung: Während regulatorische Eingriffe bestehende Erlöserwartungen verändern können, verschieben Projektverzögerungen den Beginn neuer Einnahmen. Hinzu kommen in der Ukraine längerfristige Risiken für die Bewertung bestehender Anlagen.

Wie stark die einzelnen Faktoren die Prognose belasten, hat Scatec nicht aufgeschlüsselt. Weitere Informationen sollen mit den Quartalszahlen am 30. Oktober 2026 folgen.

© IWR, 2026


22.10.2026

 



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