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Vattenfall baut Batterieportfolio auf 1,3 GW aus - Großspeicher in Deutschland und den Niederlanden treiben Ausbau
Der europäische Markt für Großbatteriespeicher wächst mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem steigenden Bedarf an Flexibilität im Stromsystem. Neben Investitionen in eigene Speicheranlagen gewinnt die Vermarktung und Optimierung von Batteriespeichern anderer Betreiber an Bedeutung. Vattenfall verfolgt beide Geschäftsmodelle parallel.
Vattenfall-Portfolio: Deutschland und Niederlande bilden die Schwerpunkte
Nach Vattenfall-Angaben umfasst das europäische Batterieportfolio des Konzerns 1.294 MW. Davon sind 238 MW in Betrieb, weitere 1.056 MW entfallen auf die Projektpipeline. Das Portfolio umfasst sowohl eigene Anlagen als auch vertraglich gesicherte Speicherkapazitäten anderer Betreiber.
Deutschland ist mit 711 MW der größte Einzelmarkt. Davon befinden sich 55 MW in Betrieb, während 656 MW auf geplante Projekte und vertraglich eingebundene Speicherkapazitäten entfallen. In den Niederlanden umfasst das Portfolio 465 MW, darunter 65 MW in Betrieb. Hinzu kommen 98 MW in Schweden und 20 MW in Großbritannien, die vollständig in Betrieb sind.
Auf Deutschland und die Niederlande entfallen zusammen rund 91 Prozent der Batterieleistung.
Brunsbüttel: Vattenfall investiert in Batteriespeicher mit mehr als 1.000 MWh
Ein wichtiges Ausbauprojekt ist der geplante Großbatteriespeicher am Standort des ehemaligen Kernkraftwerks Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. Die Anlage soll 254 MW Leistung und nach Angaben des Speichertechnologieanbieters Fluence mehr als 1.000 MWh Speicherkapazität erreichen. Vattenfall hat Fluence mit der schlüsselfertigen Errichtung und langfristigen Betreuung beauftragt. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2028 vorgesehen. Mit einer Speicherdauer von rechnerisch rund vier Stunden bei voller Leistung ist das Projekt auf den mehrstündigen Einsatz im Strommarkt ausgelegt. Die Investitionsentscheidung ist gefallen.
Hinzu kommt eine Vereinbarung mit dem niederländischen Tanklager- und Infrastrukturunternehmen Royal Vopak. Sie sichert Vattenfall im Rahmen eines Tolling-Vertrags den Zugriff auf 100 MW Leistung und 400 MWh Speicherkapazität eines geplanten Großbatteriespeichers bei Meeden. Das Gesamtprojekt umfasst 150 MW und 600 MWh. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Quartal 2028 vorgesehen.
Vattenfall baut Geschäft mit der Vermarktung fremder Batteriespeicher aus
Parallel zu eigenen Investitionen erweitert Vattenfall die Vermarktung und Optimierung von Batteriespeichern unabhängiger Projektentwickler. So hat der Konzern Ende September 2026 eine Vereinbarung über die Vermarktung von vier Großbatteriespeichern eines unabhängigen Flexibilitätsanbieters mit insgesamt 285 MW in Deutschland geschlossen.
Die Anlagen entstehen an vier Standorten in unterschiedlichen deutschen Regelzonen. Vattenfall erhält nach eigenen Angaben die direkte Kontrolle über die Speicher und integriert sie in seine automatisierten Handels- und Optimierungsprozesse. Die Vermarktung erfolgt abhängig von der Marktsituation am Großhandelsstrommarkt und auf den Regelleistungsmärkten.
Drei der vier Anlagen befanden sich bei der Ankündigung im Bau. Die erste Anlage soll ab Januar 2027 kommerziell in Betrieb gehen. Die Vereinbarungen laufen bis 2036 und sichern Vattenfall langfristigen Zugriff auf die Flexibilität der Anlagen, ohne dass der Konzern selbst als Projektentwickler auftreten muss.
So kann Vattenfall zusätzliche Speicherkapazitäten in sein Handelsgeschäft einbinden. Die Zusammenarbeit ermöglicht unabhängigen Speicherbetreibern, ihre Anlagen über die Handels- und Optimierungsplattform eines etablierten Energieunternehmens zu vermarkten.
Europäischer Großspeichermarkt wächst - Flexibilität wird zum Geschäftsfeld
Nach Angaben von Solarpower Europe wurden 2025 in Europa Batteriespeicher mit insgesamt 36 GWh Kapazität neu installiert. Das entspricht einem Anstieg um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals entfiel mehr als die Hälfte des jährlichen Zubaus auf Großbatteriespeicher.
Für 2026 erwartet Solarpower Europe im mittleren Szenario einen weiteren Anstieg der neu installierten Speicherkapazität auf mehr als 50 GWh. Dabei dürften Großbatteriespeicher bereits knapp zwei Drittel des europäischen Speicherzubaus ausmachen. Der europäische Batteriespeichermarkt wird damit zunehmend von Großspeicherprojekten geprägt. Neben Investitionen in neue Anlagen gewinnen Vermarktung und Optimierung von Speicherkapazitäten als eigenständige Geschäftsfelder an Bedeutung.
Die Entwicklung bei Vattenfall zeigt, dass sich das Geschäftsmodell im Batteriespeichermarkt nicht auf Bau und Betrieb eigener Anlagen beschränkt. Mit der zunehmenden Zahl großer Speicherprojekte gewinnt auch die Fähigkeit an wirtschaftlicher Bedeutung, Speicherkapazitäten unterschiedlicher Betreiber zu bündeln, automatisiert zu steuern und an mehreren Strommärkten zu vermarkten.
© IWR, 2026
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