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Warum die CO2-Emissionen in Deutschland 2019 gesunken sind

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Berlin - Nach einer Analyse des Berliner Energiewende-Instituts Agora sind die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im Jahr 2019 überraschend stark gesunken. Gefeiert wird der Emissionshandel, doch die Gründe für den Rückgang auf dem Stromsektor sind vielschichtiger.

Agora Energiewende hat eine erste Auswertung über den Status quo der Energiewende in Deutschland für das Jahr 2019 vorgelegt. Die Treibhausgasemissionen sind 2019 danach um mehr als 50 Millionen Tonnen vergleichsweise stark gefallen. Während die CO2-Emissionen im Stromsektor rückläufig sind, steigen die Emissionen im Verkehrssektor.

Agora Energiewende: CO2-Preis drückt Treibhausgasemissionen und Kohleverstromung 2019
Nach Berechnungen von Agora Energiewende sind die Treibhausemissionen in Deutschland 2019 um mehr als 50 Millionen Tonnen auf 811 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gesunken. Für den Rückgang ist nach Angaben von Agora ausschließlich der Stromsektor verantwortlich, da Braun- und Steinkohlekraftwerke deutlich weniger Strom produzierten, die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken und erneuerbaren Energien dagegen deutlich angestiegen ist. Die Hauptursache für den Emissionsrückgang im Stromsystem sieht Agora in den gestiegenen Preisen für CO2-Zertifikate im EU-Emissionshandel. Sie führten danach in Verbindung mit der gestiegenen Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien und einem gesunkenen Stromverbrauch dazu, dass fossile Kraftwerke ihre Stromproduktion an vielen Stunden des Jahres 2019 aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit deutlich reduzierten. Die Stromerzeugung von Steinkohlekraftwerken brach in der Folge um 31 Prozent ein, die von Braunkohlekraftwerken um 22 Prozent. Davon profitierten auch Gaskraftwerke, die weniger CO2-Zertifikate für ihre Stromerzeugung benötigen und ihren Stromabsatz um 11 Prozent erhöhten, so das Energiewende-Institut.

Anders als im Stromsystem nahmen nach Angora-Angaben die CO2-Emissionen von Gebäuden und dem Verkehrssystem sogar zu, da in diesen Bereichen mehr Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel als im Vorjahr verbraucht wurde. Die Emissionsminderungen auf dem Stromsektor wurden dadurch zum Teil wieder kompensiert.

Erneuerbare Energien und Gas legen zu – Stromerzeugung aus Braunkohle und Steinkohle sinkt
Im abgelaufenen Jahr hat sich der Strom-Mix in Deutschland verschoben. So erreicht die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland 2019 schon fast die Marke von 250 Milliarden (Mrd.) Kilowattstunden (kWh). Insgesamt ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch 2019 nach Angaben von Angora gegenüber 2018 um rd. 5 Prozent auf 42,6 Prozent angestiegen. Während die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken kräftig zulegen kann, sinkt der Beitrag der Braun- und Steinkohle signifikant.

IWR: Rückgang der CO2-Emissionen in Deutschland 2019 nicht monokausal auf den Emissionshandel zurückzuführen
Nach Einschätzung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) ist der Rückgang der CO2-Emissionen nicht nur auf den jetzt gefeierten Emissionshandel zurückzuführen. „Für den Rückgang der CO2-Emissionen in Deutschland 2019 auf dem Stromsektor ist ein vielschichtiger Faktoren-Mix verantwortlich, nicht allein der Emissionshandel“, sagt IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch. So führt ein CO2-Preis von zuletzt rd. 25 Euro je Tonne CO2 nur in Verbindung mit den aktuell niedrigen Gaspreisen zu einem Brennstoffwechsel (Fuel Switch) und der Nutzung freier Gaskraftwerks-Kapazitäten. Zudem wirkt sich der Kohle-Abschaltplan der Bundesregierung aus dem Jahr 2016 nun immer stärker aus, so das IWR. Mit Segnung der EU wurden zwischen 2016 und 2019 (jeweils zum 01.10.) Kohle-Kraftwerke in Deutschland mit einer Gesamtleistung von rd. 2.852 MW in die bezahlte Reserve (Sicherheitsbereitschaft) geschickt.

Ein weiterer Grund für den CO2-Rückgang 2019 in Deutschland ist der deutlich geringere Stromverbrauch. Die milde Witterung im Winter mit vergleichsweise sehr hohen Temperaturen sowohl im Januar als auch im Dezember 2019 haben zudem den Heizbedarf (Gas, Öl) gesenkt. Auch der konjunkturelle Gegenwind in der Wirtschaft hat die Stromnachfrage im abgelaufenen Jahr 2019 in Deutschland insgesamt deutlich reduziert.

© IWR, 2020


09.01.2020

 



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