Turbine Nr. 64 steht: EnBW schließt Installationsarbeiten an der letzten Windkraftanlage im Offshore-Windpark He Dreiht ab
Karlsruhe/Hamburg – Der Offshore-Windpark He Dreiht rückt einen weiteren Schritt näher an die vollständige Inbetriebnahme. Der Energiekonzern EnBW meldet die Installation der letzten Windkraftanlage in Deutschlands derzeit größtem Offshore-Windpark. Vor der vollständigen Inbetriebnahme stehen nun noch technische und elektrische Inbetriebnahmearbeiten an.
Der Meilenstein beim Offshore-Windpark He Dreiht fällt in eine Phase, in der der deutsche Offshore-Ausbau zwar aktuell durch die Neuinbetriebnahme von Windturbinen wieder angezogen hat, insgesamt aber hinter dem gesetzlich festgelegten Ausbauziel für 2030 zurückbleibt. Nach Einschätzung des BSH wird Deutschland das für 2030 gesetzte Offshore-Ausbauziel von 30 Gigawatt voraussichtlich verfehlen und erst 2031 oder 2032 erreichen.
Alle 64 Anlagen im Offshore-Windpark He Dreiht stehen: EnBW plant Inbetriebnahme bis zum Spätsommer
Nach dem Bergfest im Januar 2026, als 32 der 64 Anlagen errichtet waren, ist die Montage der 15 MW Vestas-Flaggschiffturbinen nun komplett. In den kommenden Wochen stehen nach Angaben von EnBW weitere technische und elektrische Inbetriebnahmearbeiten an, bevor der Windpark mit einer Gesamtleistung von 960 MW voraussichtlich im Spätsommer vollständig ans Netz gehen soll. Aktuell untersucht Vestas noch einen Schaden, der Ende Juli an einem Rotorblatt aufgetreten ist. He Dreiht kann laut EnBW rechnerisch den Strombedarf von rund 1,1 Millionen Haushalten decken. Die Investitionssumme beziffert der Energiekonzern auf rund 2,4 Milliarden Euro.
„Mit dem Abschluss der Installation der Windkraftanlagen haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein bei He Dreiht erreicht. Offshore-Wind ist eine heimische, erneuerbare Energiequelle, die große Strommengen über viele Stunden im Jahr erzeugen kann und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Dekarbonisierung des Stromsystems leistet", erklärt Peter Heydecker, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur bei der EnBW.
Projektzuschlag ohne EEG-Vergütung: EnBW und Investorenkonsortium teilen sich Windpark
EnBW hatte sich den Zuschlag für den Offshore-Windpark He Dreiht in der ersten Offshore-Ausschreibung in Deutschland im Jahr 2017 gesichert. Das Besondere daran ist, dass das Projekt ohne staatliche Unterstützung auskommt. Als Quasi-Ersatz für die klassische EEG-Vergütung setzt EnBW auf den Abschluss von langfristigen Stromverträgen (PPAs- Power Purchase Agreements) vornehmlich mit industriellen Großabnehmern. Diese Corporate PPAs ermöglichen EnBW als Parkbetreiber kalkulierbare Einnahmen, während sich die Stromabnehmer durch die Lieferung von Offshore-Windstrom gegen Marktpreisentwicklungen absichern. So gibt es für die über He Dreiht erzeugten grünen Energiemengen bislang gesicherte langfristige Stromabnahmeverträge mit Partnern wie der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens (Fraport) mit 85 MW, Evonik (150 MW), Salzgitter Flachstahl (50 MW), Bosch (50 MW), Deutsche Bahn (20 MW), PASM (100 MW) und SHS-Stahl-Holding Saar (50 MW) sowie Google (100 MW). Für die verbleibenden Strommengen führt EnBW nach eigenen Angaben Gespräche mit weiteren potenziellen Abnehmern. An dem Windpark hält ein Partnerkonsortium aus Allianz Global Investors, AIP Management und Norges Bank Investment Management 49,9 Prozent, den Rest EnBW.
BSH: 30-Gigawatt-Ziel erst 2031 oder 2032 erreichbar
Hintergrund der Verzögerung beim Offshore-Ausbau ist auch die Entwicklung seit der letzten Offshore-Wind-Ausschreibung. Im August 2025 blieb erstmals eine Offshore-Ausschreibung – für die Flächen N-10.1 und N-10.2 mit einem Gesamtvolumen von 2.500 Megawatt – komplett ohne Gebote. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) führte das Ausbleiben der Gebote unter anderem auf gestiegene Projekt- und Kapitalkosten sowie schwer kalkulierbare Preis- und Mengenrisiken im Strommarkt zurück. Die Bundesnetzagentur hat die für 2026 vorgesehenen Offshore-Ausschreibungen inzwischen ausgesetzt und auf das Ausschreibungsjahr 2027 verschoben. Für die betroffenen Flächen gelten dabei veränderte Vergabebedingungen.
© IWR, 2026
13.08.2026

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